berliner szenen


NUKLEARE ZELLEN DES GLÜCKS (0DE AN DIE FREUNDE) (taz, 24.8.'20)

Meine Freunde! Wo seid ihr? Verschwunden in Familien, verloren gegangen zwischen Homeschooling und Einschulung, wartet ihr auf bessere Zeiten in euren kleinen Gärten und staubigen Lauben, Datschen und einmaligen Gelegenheiten, Last minute und gerade noch rechtzeitig mit schlechtem Gewissen ergattert, füllt ihr eure Miniaturschwimmbecklein trotz ... MEHR >


GEGLITSCHE UND GERUTSCHE (taz, 22.6.'19)

Es ist ja immer wieder interessant, sich über die unausgesprochenen Übereinkünfte des menschlichen Miteinanders Gedanken zu machen. Und am Ende sind wir komischen Menschen doch auch alle gleich, wir wollen Liebe und uns gut fühlen, wollen raus aus der Jämmerlichkeit der eigenen Existenz und was hilft da besser, als eine kleine Entgrenzung... MEHR >


HALLELUJAH (taz, 4.1.'20)

Wie immer zwischen den Jahren treibt mich die Sehnsucht nach der Poesie dann doch an den Anhalter Bahnhof, ins Tempodrom, denn den Zirkus, den liebe ich sogar ohne Sägespänegeruch so sehr. Wir haben uns irgendetwas Schönes angezogen und uns Glitzer in die Gesichter gemalt... MEHR >


SIE HABEN DOCH SELBST KINDER! (taz, 28.9.'19)

Neulich war ich mal wieder zu einer Autorinnenlesung geladen. Eine Bücherei in Mitte, neun Uhr früh. Dorthin war ich durch die Strelitzer spaziert, wo ich, es war einmal, gewohnt habe. Das Nachbarhaus, in dem ich die greise und vollkommen der Vergesslichkeit anheimgefallene Frau Oelschlegel besucht hatte, war frisch saniert; ihre Veilchentöpfe und Gardinen verschwunden... MEHR >


JE BRUTALER, DESTO BESSER  (taz, 22.9.'15)

Mittwochmorgen, 7 Uhr 30. Ein Berliner Krankenhaus. Bekleidet mit weißer Netzunterhose, hinten offenem Kittel und weißen Kniestrümpfen durch die Gänge zu marschieren – es ist eine ganz eigene Art der Verwundbarkeit, die durch ein solches Ensemble entsteht. Dazu ringlose Finger und leere Ohrlöcher. Nackt ist kein Ausdruck... MEHR >


AUF ASPHALT (taz, 20.6.'17)

Es ist Samstagmittag. High Noon am Leopoldplatz im Wedding, Demo gegen den Aufmarsch der Identitären. Die Schulstraße ist proppenvoll, Festivalstimmung. Niedliche Punks in Schmuddelhosen sind unter den Demonstrierenden. Und viel Schwarz, of course, „Antifascista“-Rufe und „Ehe, Küche, Vaterland – unsere Antwort: Widerstand!“... MEHR >


NARBENVERGLEICH (taz, 12.10.'15)

Die Narbe ist mitten, wirklich mitten im Gesicht. Zwanzig Stiche. Echt gut verheilt schon, aber immer noch so, wie Narben mit zwanzig Stichen mitten im Gesicht eben aussehen. Sie bringt die Bäckerin in der Amsterdamer Straße dazu zu sagen: „Guten Ta… ohhhhhhh … Hatten Sie einen schrecklichen Unfall?!“... MEHR >


KONSPIRATIVE ECKEN (taz, 25.3.'17)

Zwei Tage hatte ich im Bett gelegen. Ich hatte PMS und Depression, und Trump und Yücel hatte ich auch. Ich hatte geschlafen und den „Radetzkymarsch“ gelesen, von Joseph Roth. Wenn alles sich aufzulösen scheint, kann es ratsam sein, von anderen, noch älteren Auflösungen zu lesen. So wie der der Österreichisch-Ungarischen Monarchie... MEHR >


PINKELN PRIVATISIERT? ACH, BERLIN! (taz, 30.4. '19)

Nach einem Abend Theater im Ballhaus Ost, Das Helmi mit seinen tollen Schaumstoffmasken, spazieren R. und ich von der Pappelallee in den Wedding. Es ist Freitagnacht, die Luft ist kalt und riecht nach gar nichts. Eigentlich wollen wir es uns vor den Späti in der Pappelallee gemütlich machen, doch eine Schulklasse ist uns zuvorgekommen, ohne Lehrer, dafür mit Alcopops... MEHR >